26.11.2007

Schonen und das Bett hüten: Dieser Grundsatz war in der Krebstherapie lange Zeit maßgebend. In den letzten Jahren gilt das Gegenteil unter Medizinern als unbestritten: Sport und Bewegung helfen, die Menschen vor allem psychisch zu stabilisieren. Sie tragen während und nach einer Behandlung zum Wohl des Erkrankten bei. Auf diesen Erkenntnissen gründet das Pilotprojekt, dass der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) und die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) gemeinsam vorantreiben und das für die DAK-Mitglieder zunächst einmal in vier Pilotregionen  angeboten wird.

Das Vorhaben steht im Rahmen des Disease -Management-Programms (DMP) Brustkrebs. Um den Genesungsprozess bei Mamakarzinomen unterstützen zu können, bietet die DAK ihren Mitgliedern ab November 2007 ein speziell abgestimmtes und wissenschaftlich begleitetes Trainingsprogramm an. Der DVGS übernimmt die Ausbildung, Realisierung und Evaluierung der Therapeuten. Lizenzen für das DAK-Bewegungsprogramm können Trainer direkt beim DVGS erwerben. Die Koordination der Evaluierung durch die Universität Heidelberg läuft ebenfalls über den DVGS.

Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland ist Brustkrebs. Bei über 55 000 Patientinnen wird jährlich ein Mammakarzinom diagnostiziert. 23 000 dieser Frauen sind unter 60 Jahren alt; in jedem Jahr sterben fast 18 000 Betroffene.

Jüngste Studien wie die der Universität von Wisconsin oder der Universität Glasgow belegen die Schutz- und Therapiewirkung von Sport bei an Brustkrebs erkrankten Frauen aus allen Altersstufen. Die Wissenschaftler zeigen, dass Bewegung auf unterschiedliche Krebs-Risikofaktoren wirkt:

Sportlich aktive Frauen haben einen geringeren Östrogenspiegel, unterstützen ihr Immunsystem und die Insulinempfindlichkeit und wirken Übergewicht entgegen. Patientinnen, die sich regelmäßig bewegen, leiden weniger unter dem Fatigue-Syndrom, einer die Krankheit begleitende Erschöpfung. Sie haben weniger Schlafprobleme, sind weniger ängstlich oder depressiv  und können sich besser entspannen.

Der positive Effekt von Bewegung auf Körper und Geist wird noch verstärkt, wenn die Erkrankten innerhalb einer Gruppe ein Gemeinschaftsgefühl erfahren und so psychisch ausgeglichener werden. Für die DAK-Versicherten starten die über 14 Wochen dauernden Trainingsprogramme Ende November diesen Jahres  zunächst in Hamburg, Berlin, Köln und München. Das langfristige Ziel ist jedoch, das Angebot DAK-Mitgliedern über diese Metropolen hinaus in ganz Deutschland anbieten zu können.