26.03.2008

Das Angebot für Therapien zur Bekämpfung des wachsenden Übergewichts und von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen weist in Deutschland noch deutlichen Nachholbedarf auf. Eine von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) initiierte Studie zeigte vor allem „deutliche Defizite in der Qualität der Angebote“. Insgesamt erfasste die Untersuchung rund 700 ambulante und stationäre Institutionen, die sich mit dem Thema befassen. Auch bei den deutschen Bildungsangeboten gibt es noch viel zu verbessern. „Im Kindergarten beispielsweise sind Erzieherinnen allein überfordert, sie brauchen professionelle Unterstützung“, meinte DVGS-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Gerhard Huber von der Universität Heidelberg. Diese Bereiche sind allesamt ein Betätigungsfeld für die Sport- und Bewegungstherapie. Im Fachbereich von Prof. Huber wurde gerade selbst eine Studie unter Leitung von Katharina Eckert durchgeführt, um zum einen nochmals die Notwendigkeit von Bewegungsmaßnahmen zu untermauern und zum anderen ihre Zielgenauigkeit und ihre Erfolgsaussichten festzustellen. Die Eltern von rund 250 Kindergarten-Kindern im Vorschulalter zwischen fünf und sechs Jahren wurden in verschiedenen sozialen Brennpunkten von Mannheim angeschrieben, 200 davon machten dann mit.
Zunächst wurde Gewicht und Körpergröße erfasst. Anschließend absolvierten sie einen ersten Motorik-Test. Nach einer 10-wöchigen Intervention mit einem einfachen Bewegungsprogramm über 20 Minuten an den wöchentlich fünf Kindergarten-Tagen schloss eine zweite Testung die Reihe ab. Gleichzeitig wurden die Erzieherinnen geschult, um die Ideen weiter fortführen zu können.

Die Ergebnisse sprechen wieder einmal eine deutliche Sprache für die Notwendigkeit von mehr Bewegung und besserer, gesünderer Ernährung. Von den untersuchten Kindern fielen rund 25 Prozent in die beiden Kategorien „Übergewichtig“ oder „adipös“. Für einen bundesdeutschen Schnitt hatte das Heidelberger Team einen Wert von 10,5 Prozent ermittelt. Ein weiterer Vergleich: In einer Gemeinde nahe Heidelberg ohne große sozialen Schwierigkeiten lag der Anteil von „Übergewicht“ und „adipös“ bei nur sechs Prozent. Zudem ergaben sich in Mannheim bei über der Hälfte der Kinder motorische Auffälligkeiten.

Allein schon dieser punktuelle Einsatz zeigte in Mannheim Wirkung. Zwar konnte beim Körpergewicht auf Grund der Kürze der Zeit erwartungsgemäß keine signifikante Wirkung erzielt werden, aber die motorischen Auffälligkeiten konnten allein um die Hälfte reduziert werden. Nun sollen die Erfahrungen genutzt werden, um in Heidelberger Schulen Interventionen zu erproben und zu verfeinern.

Auch die BZgA sieht hier einen deutlichen Handlungsbedarf. Mit ihrer Forschungsgruppe will sie jetzt Empfehlungen vor allem für die qualitative Verbesserung der Versorgungslage entwickeln. Dann sollen diese Empfehlungen in der Praxis noch einmal auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Nach den Ergebnissen der BZgA haben Kliniken und Ernährungsberatungsstellen die meisten Angebote, schlechter bestellt ist es noch um Gesundheitsämter, psychotherapeutische Praxen, Sportvereine, Krankenkassen und Arztpraxen.