pfeiferDie Bewegungstherapie hat in der Rehabilitationswissenschaft eine weitere deutliche Aufwertung erfahren. Beim jährlich stattfindenden und wichtigsten wissenschaftlichen Reha-Kongress in Deutschland konnte erstmals die 2007 gegründete „Arbeitsgruppe (AG) Bewegungstherapie“ in der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaft mit eigenen Referatsvorträgen und einem Arbeitskreis aktiv geworden. „Man hat endlich verstanden, welche wichtige Rolle die Bewegungstherapie spielt“, meinte Prof. Dr. Klaus Pfeifer (Universität Erlangen).

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft empfindet es als eine Würdigung der Aktivitäten seiner Gruppe, dass für das Thema Bewegungstheorie prominent Platz eingeräumt wurde. „Unsere Mitglieder konnten beim Reha-Update die Teilnehmer der Tagung über den aktuellen Stand der Arbeit informieren und im Arbeitskreis über die neuesten wissenschaftlichen Beiträge referieren“, sagte Prof. Pfeifer.  Zu den Vertretern des DVGS in der AG gehören neben Prof. Dr. Klaus Pfeifer auch Prof. Dr. Klaus Schüle, Prof. Dr. Gerhard Huber und Angelika Baldus.

Allgemeines Ziel des Kolloquiums, das von der Deutschen Rentenversicherung Bund, der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW) und einem regionalen Rentenversicherungsträger veranstaltet wird, ist die wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung der Rehabilitation. Laut Auskunft der Deutschen Rentenversicherung fallen ca. 60 Prozent aller therapeutischen Leistungen in den Bereich der Bewegungstherapie.

Diesem hohen Stellenwert wurde jetzt durch die Bildung eines eigenen Arbeitskreises am Reha-Kongress und dem damit forcierten Austausch zwischen Reha-Wissenschaft und Reha-Praxis über aktuelle Forschungsergebnisse Rechnung getragen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, der wissenschaftlichen Analyse und Reflexion bewegungstherapeutischer Intervention innerhalb der Rehabilitationswissenschaften einen größeren Raum zu geben“, so Prof. Dr. Klaus Pfeifer vom sportwissenschaftlichem Institut der Universität Erlangen.

Von über 200 auf dem Kolloquium präsentierten wissenschaftlichen Vorträgen widmeten sich allein 22 dem Thema Bewegungstherapie. Dr. Silke Brüggemann von der Deutschen Rentenversicherung Bund referierte zum Thema „Bewegungstherapeutische Versorgung in der medizinischen Rehabilitation der Rentenversicherung“ und zeigte auf, dass bewegungstherapeutische Leistungen von der Anzahl und Dauer her einen hohen Stellenwert haben.

Nicht zu vernachlässigen sei dabei die Forschung, um qualitative und quantitative Struktur- und Prozessevaluationen durchzuführen und die Qualität in der Bewegungstherapie weiter zu evaluieren. Auch Vorträge wie „Langfristige Effekte eines stationär- ambulanten Rückentraining“ von Prof. Dr. Gerhard Huber von der Universität Heidelberg oder der „Einfluss von körperlicher Aktivität auf Lebensqualität und psychische Gesundheit von Multiple Sklerose-Patienten“ u.a. von Prof. Dr. Klaus Pfeifer zeigen die Wichtigkeit der Forschung gerade im Bereich der Bewegungstherapie auf.

„Bewegungstherapie als fester Bestandteil der Rehabilitation erfolgt in der praktischen Anwendung noch eher erfahrungsgeleitet als an festen Kriterien orientiert“, meinte Prof. Dr. Pfeifer. Da bisher kaum strukturierte Interventionskonzepte existierten, sei die einheitliche Grundlage für eine hohe Struktur- und Prozessqualität der bewegungstherapeutischen Versorgung in der Praxis nicht gegeben. „Nur der direkte Austausch von Theorie und Praxis und die Beteiligung von Mitarbeitern aus den verschiedenen für den Bereich der Bewegungstherapie relevanten Disziplinen kann die Qualität der Arbeit auf Dauer sicherstellen.“, so Prof. Dr. Klaus Pfeifer.

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