Schützt Fitness in jungen Jahren vor späterem Bluthochdruck?

Bluthochdruck ist ein enormes medizinisches Problem. Es ist ein starker Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Niereninsuffizienz [1] und ist sehr weit verbreitet. 28% der Deutschen geben an, eine bekannte Hypertonie zu haben [2]. Es sind wohl mehr, denn Bluthochdruck ist oft unerkannt. Schätzungen gehen daher von rund 30% der Frauen und 33% der Männer aus, die in Deutschland insgesamt betroffen sind [1].
“Hoher Blutdruck – Ein Thema für alle” schreibt das Robert Koch-Institut ([1], S.1). Zwar ist der Blutdruck Erwachsener in Deutschland zwischen 1997-1999 und 2008-2011 merklich gesunken [1], aber es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen: Bei mehr als 50% der über 65-Jährigen tritt Bluthochdruck auf [2] und diese Bevölkerungsgruppe wird im Rahmen der demographischen Entwicklung deutlich zunehmen. Weltweit wird eine massive zukünftige Zunahme von Bluthochdruck erwartet [3].

Prävention und Therapie von Bluthochdruck

“Veränderungen des Lebensstils” sind die “Eckpfeiler” zur Vorbeugung von Hypertonie und den negativen Folgen für die Gesundheit: z. B. regelmäßige körperliche Aktivität, Rauchverzicht, Kontrolle des Körpergewichts und Reduktion der täglichen Salzmenge ([4], S. A1316). Körperliche Inaktivität alleine könnte ca. 5-13% des Risikos für Bluthochdruck ausmachen [5,6]. Um Erfolge zu erzielen sind multimodale Interventionen angebracht. Ernährungsansätze wie die mediterrane Diät sind zwar auch einzeln effektiv, aber die Autoren einer kürzlichen Metaanalyse mutmaßen zurecht, dass eine Kombination, etwa mit körperlichem Training, sinnvoll erscheint [7].

Die Rolle von körperlicher Fitness und Bewegung

Nach neuesten Erkenntnissen müsste die Message wohl sogar heißen: Egal wie interveniert wird, Bewegung sollte auf jeden Fall mit dabei sein, und das möglichst früh. Aber alles der Reihe nach: Mit Daten von über 1,5 Millionen schwedischen Wehrdienstleistenden haben Crump und Kollegen Analysen zum Hochdruck-Risiko angestellt [8]. Speziell haben sich die Forscher für einen hohen Body-Mass-Index (BMI) und die körperliche Fitness interessiert. Das Ergebnis ist hochinteressant: Sowohl ein hoher BMI als auch aerobe Kapazität im späten Jugendalter standen unabhängig voneinander mit einem höheren Risiko in Verbindung, innerhalb von durchschnittlich 25 Jahren Bluthochdruck zu entwickeln. Eine Kombination aus hohem BMI und niedriger aerober Kapazität stellte das höchste Risiko für späteren Bluthochdruck dar. Eine niedrige aerobe Kapazität war auch bei Männern mit normalem BMI ein signifikanter Risikofaktor [8]. “Schlank sein reicht nicht (…)” schreibt daher Nadine Eckert beim medizinischen Nachrichtendienst Medscape Deutschland und lässt den Sportmediziner Prof. Dr. Hans-Georg Predel zu Wort kommen. Dieser nennt die Studie einen “massiven Weckruf” und weist darauf hin, dass bereits junge Erwachsene Ziel von Präventionsmaßnahmen werden müssten [9]. Was für eine Maßnahme das sein sollte, ist klar. Bewegung ist der stärkste Prädiktor für kardiorespiratorische Fitness und der Rückgang von Bewegung in Freizeit und Arbeit über die letzten Jahrzehnte dürfte mit der BMI-Zunahme in der Bevölkerung einhergehen [10].

Zur Fitness gibt es nur einen Schlüssel!

Zugegeben, wenn es um Gewichtsreduktion geht, so gibt es auch Kritiker, die der körperlichen Aktivität eine Randrolle zuweisen mit dem Argument: „You cannot outrun a bad diet“ [11] (allerdings gut gekontert von anderen Wissenschaftlern, die sehr wohl eine gewichtige Rolle von körperlicher Aktivität bei der Gewichtskontrolle sehen [12,13]).
Bei der aeroben Kapazität hingegen kann es keinen Zweifel geben. Körperliche Aktivität ist hier in jedem Fall das Mittel der Wahl. Was die Studie von Crump et al. [8] auch noch nahe legt: Früh muss Prävention ansetzen. Junge Erwachsene, auch wenn sie normalgewichtig sind, tun sich mit einer geringen körperlichen Fitness keinen Gefallen. Bewegungsförderung die im Kinder- und Jugendalter ansetzt kann weitreichende positive Folgen haben für das spätere Erwachsenenalter.

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Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F038798-0014 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0, Wikimedia Commons
Nachtrag: Für historisch Interessierte sei gesagt: Das obige Bild entstand 1973 im so genannten „Kreislauflabor“ im VW-Werk in Wolfsburg. Mitarbeiter, deren Arbeitsalltag besondere Anforderungen an das Herz-Kreislaufsystem stellte, wurden hier regelmäßig untersucht. Das hat mit dem Inhalt des Artikels herzlich wenig zu tun, aber ist es nicht nett, mal so einen Ergometer aus den 70er Jahren zu betrachten?

Referenzen:
1. Neuhauser H, Sarganas G: Hoher Blutdruck: Ein Thema für alle. Berlin: Robert Koch-Institut; 2015.
2. Robert Koch-Institut (Hrsg): Bluthochdruck Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“. Berlin: RKI; 2014.
3. Kearney PM, Whelton M, Reynolds K, Muntner P, Whelton PK, He J: Global burden of hypertension: analysis of worldwide data. Lancet. 2005; 365: 217-223.
4. Zylka-Menhorn V: Arterielle Hypertonie. Höhere Flexibilität bei der Therapie, stärkere Einbindung der Patienten. Dtsch Ärztebl. 2013; 110: A1316-A1317.
5. Geleijnse JM, Kok FJ, Grobbee DE: Impact of dietary and lifestyle factors on the prevalence of hypertension in Western populations. Eur J Public Health. 2004; 14: 235-239.
6. Börjesson M, Onerup A, Lundqvist S, Dahlöf B: Physical activity and exercise lower blood pressure in individuals with hypertension: narrative review of 27 RCTs. Br J Sports Med. 2016; doi:10.1136/bjsports-2015-095786
7. Ndanuko RN, Tapsell LC, Charlton KE, Neale EP, Batterham MJ: Dietary patterns and blood pressure in adults: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Adv Nutr. 2016; 7: 76-89.
8. Crump C, Sundquist J, Winkleby MA, Sundquist K: Interactive effects of physical fitness and body mass index on the risk of hypertension. JAMA Intern Med. 2016; doi:10.1001/jamainternmed.2015.7444
9. Eckert N: Schlank sein reicht nicht: Mangelnde Fitness in jungen Jahren heißt höheres Hypertonierisiko in der Lebensmitte. Medscape Deutschland. 2016; online verfügbar unter http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904509 (Zugriff am 02.02.2016)
10. Lavie CJ, Parto P, Archer E: Obesity, Fitness, hypertension, and prognosis. Is physical activity the common denominator? JAMA Intern Med. 2016; 176: 217-218.
11. Malhotra A, Noakes T, Phinney S: It is time to bust the myth of physical inactivity and obesity: you cannot outrun a bad diet. Br J Sports Med. 2015; doi:10.1136/bjsports-2015-094911
12. Blair: Physical inactivity and obesity is not a myth: Dr Steven Blair comments on Dr Aseem Malhotra’s editorial. Br J Sports Med. 2015; 10.1136/bjsports-2015-094989
13. Kelly P, Baker G, McAdam C, Milton K, Richards J, Murphy M, Foster C, Mutrie N: 12 reasons why the „Physical activity myth“ paper should not have been published; request for retraction or modification based on open external peer-review. Br J Sports Med. 2015; online verfügbar unter http://bjsm.bmj.com/content/early/2015/05/07/bjsports-2015-094911/reply#bjsports_el_14021 (Zugriff am 02.02.2016)

Gelesen 7814 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Februar 2016 10:58

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