uhrzeitDie 35-Stunden-Woche, nun wieder die 40-Stunden-Woche oder gar die 42-Stunden-Woche: Durch die Medienwelt geistern viele Schlagzeilen, die sich mit dem wöchentlichen Umfang der Arbeit befassen. Nicht immer klar wird dabei, welche Regelung individuell gilt und ob es Grenzen nach oben oder unten gibt. Im Folgenden eine paar Hinweise für Bewegungs- und Sporttherapeuten.

Der Rahmen für die Dauer der täglichen bzw. wöchentlichen Arbeitszeit wird durch das Arbeitszeitgesetz aus dem Juni 1994 (Änderung am 31.10.2006) gesteckt. Dieses Bundesgesetz basiert auf der Europäischen Richtlinie von 1993.

Die gesetzliche Höchstarbeitszeit beträgt acht Stunden am Tag. Da der Samstag ein normaler Werktag im Sinne des Arbeitszeitgesetzes ist, ergibt sich hieraus eine mögliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden (sechs Tage à acht Stunden). Das Arbeitszeitgesetz ermöglicht damit einen Rahmen, der deutlich über die in Tarifverträgen und in der betrieblichen Praxis übliche regelmäßige Wochenarbeitszeit hinausgeht.

Der Gesetzgeber hat auch Spielraum für eine flexible Handhabung der Wochenarbeitszeit gelassen. Die tägliche Stundenzahl lässt sich bis auf zehn Stunden ausdehnen, die wöchentliche also auf 60 Stunden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Jede Arbeitszeit, die über acht Stunden werktäglich hinausgeht, muss durch eine kürzere Arbeitszeit an einem anderen Werktag ausgeglichen werden.

Wenn dieser Ausgleich in einem kürzeren als dem gesetzlichen Zeitrahmen stattfinden soll, sollte dies nach Möglichkeit im Arbeitsvertrag geregelt werden.

Wichtig: In den Arbeitszeitausgleich kann ein arbeitsfreier Samstag auch dann einbezogen werden, wenn an diesem Tag im Betrieb betriebsüblich nicht gearbeitet wird. In der Praxis muss daher ein Ausgleich nur dann stattfinden, wenn die Arbeitszeit in einer Woche 48 Stunden überschreitet. Besteht in einem Betrieb z. B. eine Fünftagewoche und wird von Montag bis Freitag jeweils neun Stunden (45 Stunden in der Woche) gearbeitet, so erfolgt der Ausgleich für diese Mehrarbeit am arbeitsfreien Samstag. Wird dagegen an den fünf Tagen jeweils zehn Stunden (50 Stunden in der Woche) gearbeitet, so sind neben dem freien Samstag noch zwei weitere Stunden auszugleichen.

Eine 48-Stunden-Woche ist in der Praxis aber kaum noch zu finden. Tariflich einigten sich die Partner längst auf andere, kürzere Zeiten. Nachdem lange Zeit über Wochenarbeitszeiten wie z.B. die 35-Stunden-Woche verhandelt wurden, geht mittlerweile aus Kostengründen der Trend wieder hin zur 40-Stunden-Woche. Aber jeder Arbeitsnehmer ist auch frei, in seinem Arbeitsvertrag individuell andere Zeiten auszuhandeln, solange sie ihn besser stellen als die genannten gesetzlichen Höchstgrenzen. Wird die Arbeitszeit in einem Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich geregelt, gilt die betriebsübliche Arbeitszeit als vereinbart.

Ruhepausen
Die Arbeit ist durch im Voraus festgelegte Ruhepausen zu unterbrechen
• bei einer Arbeitszeit über sechs Stunden von mindestens 30 Minuten und
• bei einer Arbeitszeit über neun Stunden von mindestens 45 Minuten.

Eine Ruhepause muss mindestens 15 Minuten dauern. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer also nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden. Für Arbeitszeiten von weniger als sechs Stunden schreibt das Arbeitszeitgesetz keine Ruhepause vor.

Ruhezeit
Die Mindestruhezeit nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit muss mindestens 11 Stunden betragen.

Sonn- und Feiertagsruhe
Sonn- und Feiertagsarbeit ist grundsätzlich verboten. Die Beschäftigung von Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen ist allerdings in engen Grenzen möglich, sofern eine solche Verpflichtung im Arbeitsvertrag geregelt ist. Das Arbeitszeitgesetz enthält einen Katalog von Tätigkeiten, die im Interesse eines reibungslos verlaufenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens auch an Sonn- und Feiertagen ausgeübt werden dürfen. Auch in diesen Bereichen darf nicht unbeschränkt sonn- und feiertags gearbeitet werden. Die Beschäftigung ist nur zulässig, sofern die Arbeiten nicht an Werktagen erfolgen können. Unter dieser Voraussetzung dürfen Sporttherapeuten an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden
• in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen zur Behandlung, Pflege und Betreuung von Personen,
• beim Sport und in Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen.

Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei bleiben. Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer in 12 Monaten also höchstens an 37 bzw. 38 Sonntagen beschäftigen. Im Extremfall kann auch an 37 Sonntagen hintereinander gearbeitet werden und die 15 folgenden Sonntage beschäftigungsfrei sein.
Für die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen gelten die arbeitszeitrechtlichen Regelungen, wie z. B. tägliche Höchstarbeitszeit, Ruhepausen, Ruhezeit, Nacht- und Schichtarbeit. Durch die Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen dürfen auch die oben genannten Höchstarbeitszeiten und Ausgleichszeiträume nicht überschritten werden.

Werden Arbeitnehmer an einem Sonntag beschäftigt, müssen Ihnen innerhalb von zwei Wochen nach der Beschäftigung ein Ersatzruhetag gewährt werden. Werden Arbeitnehmer an einem auf einen Werktag fallenden Feiertag beschäftigt, müssen sie den Ersatzruhetag innerhalb eines den Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von acht Wochen erhalten.

Wichtig: Als Ersatzruhetag für an einem Sonn- oder Feiertag geleistete Arbeit kann jeder Werktag genutzt werden. Da das Arbeitszeitgesetz von einer Sechstagewoche ausgeht, kann auch ein Samstag, an dem ohnehin üblicherweise nicht gearbeitet wird, als Ausgleichstag eingesetzt werden.

Weiterhin bestehen spezifische Regelungen für bestimmte Tageszeiten wie die Nacht und für besondere Tage wie Sonn- und Feiertage. Zur Nachtarbeit zählt alles, was zwischen 23 Uhr und sechs Uhr morgens zählt. Nachtarbeiter können verlangen, in bestimmten Fällen auf einen Tagesarbeitsplatz versetzt zu werden, sofern nicht wichtige betriebliche Gründe dagegen sprechen. Zu diesen Fällen zählen die Betreuung eines Kindes oder eine Schwangerschaft.

Ausnahmen von den Arbeitszeitregelungen
Das Arbeitszeitgesetz sieht auch Ausnahmeregelungen für Notfälle und andere außergewöhnliche Fälle vor, in denen von den Grundnormen des Gesetzes und den Vorschriften zur Sonn- und Feiertagsarbeit abgewichen werden darf.  Abgewichen werden kann bei vorübergehenden Arbeiten in Notfällen und in außergewöhnlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten und deren Folgen nicht auf andere Weise zu beseitigen sind.

03.03.2008