Inhalt

B&G, 05/2015

191. Editorial

 Wissenschaft

194 Warum „30 MINUTEN TÄGLICH“ das bessere Konzept ist, G. Huber
199 Stärkung physischer und psychosozialer Gesundheitsressourcen durch Gesundheitswandern, K. Hottenrott, K. Müller, S. Schulze
205 Bewegungstipps aus dem 17. Jahrhundert, M. Hofmeister
208 Journal Club: Polypille Bewegung, M. Köppel, S. Peters

Praxis

211 Nicht der Sport machts aus – 30 Minuten Bewegung halten fit! S. Ziesche, K. Blatz, N. Lerchen

Indikationskatalog

220 Multiple Sklerose

Recht

223 Sozialversicherungspflicht bei Übungsleitertätigkeit, M. Beden

Forum

225 Gesundheitspolitik
227 Referate
229 Veranstaltungskalender
230 Forum der Industrie

234. DVGS– News

Editorial

Klaus Schüle

Liebe Mitstreiter für einen „gesunden Lebensstil“ durch Bewegung!

Mit diesem Heft wollen wir Ihnen Material und Aussagen an die Hand geben, nach deren Prinzipien Sie sicher schon immer bei der Arbeit mit gesunden Schülern, Erwachsenen einerseits, chronisch Kranken, Patienten und Rehabilitanden andererseits, mehr oder weniger unbewusst gehandelt haben. Als Anfänger im Beruf – vielleicht aber auch ganz bewusst –! Vielleicht war es sogar dieses Wissen um den gesundheitlichen Wert der Bewegung, der Sie zur Berufswahl veranlasst hat? Oder war es mehr das „gute Gefühl“, das Sie selbst bei körperlicher Aktivität erfahren haben und das Sie gerne auch anderen Personen weitergeben wollten?

Dieses Gefühl, das wir vermutlich alle schon einmal erfahren haben, auch wenn ich selbst zugegebenermaßen von den angeblichen „Glückshormonen“ (Endorphine) selten oder kaum je etwas verspürt habe, gilt es in Zeiten von Forderungen der Wissenschaft aber auch der Kostenträger nach „Evidenzbasierung“, „Evaluation“, „RCT-Studien“ etc. mit sog. harten Daten zu belegen. Mit den vorgelegten erhalten Sie eine Auswahl eigener – insbesondere aber auch Hinweise auf hochaktuelle Beiträge weltweiter – Empfehlungen zur „richtigen“ Dosierung von positiv wirksamer Bewegung, wie sie u. a. von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder auch des American College of Sports Medicine aus zahlreichen Literaturrecherchen zusammengetragen wurden. Als Fazit des aktuellen Wissens ergibt sich, dem Titel dieses Heftes geschuldet, dass 30 Minuten tägliche Bewegung eine optimale Dosis zu einem „gesunden Lebensstil“ mit all seinen positiven Auswirkungen darstellt. Erstaunlich ist dabei, dass dieses Maß im Wesentlichen sowohl als Präventionsmaßnahme, als auch in und nach der Rehabilitation insbesondere der 5 häufigsten chronischen „Killererkrankungen“ (KHK, Krebs, Schlaganfall, COPD, Krankheiten der Verdauungsorgane) zur Anwendung empfohlen werden kann, sie deshalb auch in diversen medizinischen „Leitlinien“ wieder zu finden sind.

Eine kritische Anmerkung sei an dieser Stelle erlaubt. Mir wird absolut nicht klar, auf welche Zeiträume (Monate, Jahre?) sich die jeweils angegeben notwendigen Stunden „körperlicher Aktivität“ beziehen, wenn sich damit beispielsweise eine längere Lebenserwartung erreichen ließe? Nicht zuletzt muss für diese höhere Lebenserwartung ja auch eine nicht unerhebliche Aktivitätszeit aufgebracht werden. Soll die nun von den gewonnenen Jahren abgezogen werden? Natürlich nicht, denn Laufen (als Paradeaktivität) macht ja – bei richtiger Dosierung – auch Spaß!

Vor lauter „Wissenschaft“ vergessen Sie nicht, sich auch nach Ihrem „Bauchgefühl“ zu richten, wenn es um die Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in die Praxis geht. Gute praktische Ratschläge gab dazu auch schon der Arzt Christoph Schorer im 17. Jahrhundert! In unserem „Grundlagenbuch“ (S. 30) haben wir Ihnen dazu ebenfalls 12 wichtige methodologische und didaktische Prinzipien zusammengestellt, wobei mir das letzte – nämlich das „Prinzip des pädagogischen Happenings“ – besonders gut gefällt. „Es schafft Raum für Spontaneität und Kreativität, sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Lehrern/Therapeuten“.

In diesem Sinne
Ihr Klaus Schüle

PS: Mit dem „JOURNAL Club“ wollen wir in unserer B&G eine neue Rubrik einführen. Hier sollen Publikationen und Studien vorgestellt werden, die nach Einschätzung der Herausgeber für das Arbeitsgebiet der Bewegungstherapie von großer Bedeutung sind. Die Vielfalt der Informationen ist inzwischen so groß, dass es schwierig ist, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen: Wir möchten, quasi als Trüffelschweine, unseren Lesern mit dieser Rubrik dabei helfen, die Beiträge zu finden, die wirklich Aufmerksamkeit verdienen.