Lebensstilerkrankungen können zu Rückgang der Lebenserwartung beitragen

Amerikaner sterben jünger – warum? So titelt ein Artikel des prominenten Medizinportals „Medscape“.

Demographische Untersuchungen gehen davon aus, dass die Lebenserwartung bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts konsistent über alle Nationen hinweg unter 40 Jahren lag (Riley, 2005). Grund dafür waren die schwierigen Lebensbedingungen, extreme Armut, mangelnde Hygiene und kaum medizinische Versorgung. Trends waren damals kaum zu verzeichnen wie die jährlichen Versterbedaten aus dem Vereinigten Königreich seit 1543 dokumentieren (Wrigley et al.,1989 & 1997 zitiert in Riley, 2005).

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts sollte sich dies jedoch ändern und ein steiler Anstieg der Lebenserwartung von etwa 2,5 Jahren pro Dekade begann. Bislang hat dieser Trend, mit der Ausnahme von Kriegseinflüssen keinen Rückschlag erlitten, jedoch beginnen die Trends für manche Nationen der westlichen Welt etwas abzuflachen. Im Fall der USA zeig sich nun erstmals ein negativer Trend. Der Gesundheitsbericht des National Center for Health Statistics der Vereinigten Staaten (National Center for Health Statistics , 2019) berichtet von einem Rückgang der mittleren Lebenserwartung zu Geburt von 78,9 Jahren im Jahr 2014 (Männer 76,5, Frauen 81,3) auf 78,6 im Jahr 2017 (Männer: 76,1, Frauen: 81,1). Dies ist zu verzeichnen, obwohl sich im Hinblick auf die Kindersterblichkeit der negative Trend (Also weniger Fälle mit zunehmendem Jahr) fortsetzt. Bei Differenzierung entsprechend der Ethnie (Weiß (nicht hispanisch), Hispanoamerikaner und Schwarz) zeigen die Daten, dass Hispanoamerikaner mit 81,8 Jahren eine deutlich höhere Lebenserwartung aufweisen als Menschen der beiden anderen  Ethnien (Weiß: 78,5, Schwarz: 74,9).

Anstieg nicht übertragbarer Lebensstilerkrankungen

Die Gründe für den dargelegten Rückgang sind mannigfaltig und können nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Dennoch zeigt sich beispielsweise ein Anstieg von unfallbedingten Todesfällen sowie Todesfällen durch Drogenmissbrauch (Überdosis). Hinsichtlich der nichtübertragbaren Lebensstilerkrankungen bestätigen sich die Trends der Vorjahre. So stieg die Adipositasprävalenz von 27,4% bei Männern in den Erhebungen von1999 und 2000 auf 38,1% im Erhebungszeitraum 2015/16 und von 33,3% auf 41,2% bei Frauen zu denselben Erhebungszeitpunkten. Einen Zuwachs von knapp fünf Prozentpunkten - 10,0% (1999 & 2000) auf 14,7% (2015 & 2016) verzeichnet sich im Hinblick auf die Diabetesprävalenz. Positiv zu verzeichnen ist allerdings, dass die Raucherquote sich um über 5 Prozentpunkte binnen desselben Zeitraums reduzierte. Hierbei muss jedoch angegeben werden, dass diese Angaben mit zwei beinahe 20 Jahre auseinanderliegenden Erhebungen relativ grobkörnig erhoben wurden und daher nicht kausal in den Zusammenhang mit der Veränderung der Lebenserwartung seit 2014 gesetzt werden kann. Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die Verbesserung der medizinischen Versorgung und die Erforschung von Krankheiten als eine der wirkmächtigsten Leistungen der Menschheit gesehen werden, die es den Menschen ermöglichte, die mittlere Lebenserwartung mehr als zu verdoppeln. Dennoch zeigen erste Daten ein Ende dieses erfreulichen Trends sowie eine Pandemie von Zivilisationskrankheiten. Zukünftige Datenanalysen sollten versuchen diese beiden Prozesse miteinander in Kontext zu setzen.

Quellen:

National Center for Health Statistics. Health, United States, 2018. Hyattsville, MD. 2019.
Riley, J. C. (2005). Estimates of regional and global life expectancy, 1800–2001. Population and development review, 31(3), 537-543.
Wrigley, E. A. and R.S. Schofield. 1989. The Population History of England, 1541-1871: A Reconstruction. Cambridge.
Wrigley, E. A., Davies, R. S., Schofield, R. S., & Oeppen, J. E. (1997). English population history from family reconstitution 1580-1837 (No. 32). Cambridge UniversityPress.

Kontakt: koeppel@stud.uni-heidelberg.de

Gelesen 79 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 Dezember 2019 12:27

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