Gesundheit aktuell: Gesundheitspolitische Neuigkeiten

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Rückenschmerzen gelten in Deutschland als Volkskrankheit und sind hierzulande ein der häufigsten Ursachen für eine Krankmeldung am Arbeitsplatz. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Pandemie noch verstärkt wird. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit am 15.03.2021 weist der Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e. V. (DVGS) darauf hin, wie wichtig körperliche Aktivität und Bewegung sind, um einer Chronifizierung von akuten Rückenschmerzen entgegen zu wirken.

Ein Mangel an regelmäßiger Bewegung, verstärkte psychosoziale Belastungen sowie aufgeschobene Arztbesuche während der Corona-Pandemie zeigen inzwischen deutlich ihre negativen Auswirkungen auf die Rückengesundheit der Deutschen. Einer Analyse der DAK-Gesundheit zufolge führten Rückenschmerzen 2020 in Deutschland zu so vielen Fehltagen bei Beschäftigten wie schon lange nicht mehr. Die Ausfalltage wegen Rückenbeschwerden stiegen im Corona-Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent [1].

Gefahr der Chronifizierung hat durch Corona noch zugenommen

„Durch Lockdown und Homeoffice hat sich das Arbeitsumfeld stark gewandelt. Die Menschen sitzen noch länger bewegungslos vor dem Bildschirm. Aufgrund der geschlossenen Freizeiteinrichtungen fällt es vielen schwer, einen Ausgleich zu finden für die sitzenden Tätigkeiten und auch ihre psychischen Anspannungen“, erklärt Dr. Stefan Peters, wissenschaftlicher Mitarbeiter des DVGS. Hinzu kommt, dass insbesondere akute Rückenschmerzpatientinnen und -patienten während der Corona-Pandemie deutlich weniger medizinische Versorgungsleistungen in Anspruch nehmen. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung aus Italien. Die Studienautoren hatten die Konsultationszahlen aufgrund von akuten Rückenschmerzen in vier Krankenhäusern in der italienischen Stadt Mailand aus den Jahren 2019 und 2020 verglichen. Dabei stellten sie einen Rückgang an Konsultationen von insgesamt 87,2 % fest [2]. „Das ist ein gravierendes Problem“, erklärt Dr. Stefan Peters. Rund 70 % der deutschen Bevölkerung haben mindestens einmal im Jahr mehr oder weniger starke Rückenschmerzen, die auch wieder abklingen und somit nicht weiter tragisch sind [3]. Problematisch wird es, wenn sich akute Beschwerden zu einem chronischen Leiden entwickeln. „Die Gefahr einer Chronifizierung von Rückenbeschwerden könnte durch die Pandemie mit ihren Einschränkungen deutlich verstärkt worden sein“, so Peters weiter.

Nicht leitlinienkonforme Behandlung von Rückenschmerzen

Ein Thema, welches uns im Jahr 2021 immer noch begleitet, obwohl die so genannte Rückenschmerz-Revolution (Gorden Waddell) bereits Ende der 1990er Jahre stattgefunden hat, ist eine nicht leitliniengerechte Therapie von Rückenschmerzen in Deutschland. Die Brisanz, die das in sich trägt, zeigt eine ganz aktuelle und hochrangig publizierte Studie aus den USA aus dem Jahr 2021 [4]. Die Studienautoren hatten den Einfluss von nicht-leitliniengerechter Therapie bei Rückenschmerzen bei rund 5.300 Patientinnen und Patienten untersucht. „Die Leitlinien zur Behandlung von akutem Rückenschmerz sehen unter anderem vor, dass die Patienten so körperlich aktiv bleiben, wie es ihr Zustand erlaubt und dazu Bewegungstherapie statt passiver Therapien erhalten“, führt Peters aus. „Die Studie hat nun veranschaulicht, dass das Abweichen von diesen Empfehlungen deutlich zur Chronifizierung von Rückenschmerzen beiträgt“, ergänzt der Sportwissenschaftler.

Fehlversorgung in Deutschland bei der Bewegung

„Das zugrundeliegende Problem, und zwar nicht nur bei der Rückenschmerz-Thematik, ist eine allgemeine und eindeutige Fehlversorgung beim Thema Bewegung und körperliche Aktivität in Deutschland“, erklärt Angelika Baldus, Hauptamtlicher Vorstand des DVGS. „Deshalb setzt sich der DVGS seit Jahrzehnten dafür ein, dass sich Menschen mehr bewegen und qualitätsgesichert dazu angeleitet werden. Der DVGS ist deshalb mit seinen Experten u.a. in den Gremien vertreten, die die wissenschaftlichen medizinischen Leitlinien erarbeiten, um für die evidenzbasierte Integration von Bewegung und körperlicher Aktivität in der medizinischen Versorgung zu sorgen“, ergänzt Baldus abschließend.

Quellen

  1. https://www.dak.de/dak/bundesthemen/krankenstand-2020-2424242.html
  2. Borsa S, Pluderi M, Carrabba G et al. Letter to the Editor: Impact of COVID-19 Outbreak on Acute Low Back Pain. World Neurosurg. 2020; 139: 749. doi:10.1016/j.wneu.2020.05.218. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7256499/
  3. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Faktencheck Rücken, Gütersloh, 2016
  4. Stevans JM, Delitto A, Khoja SS et al. Risk Factors Associated With Transition From Acute to Chronic Low Back Pain in US Patients Seeking Primary Care. JAMA Netw Open. 2021;4(2):e2037371. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.37371 https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2776518

 

Die Stiftung Deutsche Krebshilfe hat vor kurzem das Förderungsschwerpunktprogramm 'Modellhafte Implementierung von Strukturen für Sport- und Bewegungstherapie bei Krebspatienten' ausgeschrieben. Das Programm ist mit 5,5 Mio. € budgetiert. Damit sollen 2 Projektvorhaben gefördert werden. Die Ausschreibung, den entsprechenden Antragsleitfaden sowie die Antragsfristen finden Sie unter nachfolgendem Link: www.krebshilfe.de Darüber hinaus können Sie sich hier die Ausschreibung als PDF-Dokument herunterladen.

GVG-Konferenz zu den Potentialen eines interprofessionellen Gesundheitssystems: Große Schnittmengen von Ministerium bis MVZ

Berlin, 26. November 2020 – Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sowie Therapeutinnen und Therapeuten sollten enger zusammenarbeiten und dabei ihre jeweiligen Kompetenzen einbringen können. Das sei „das Gebot der Stunde“. So lautet das Fazit der diesjährigen Konferenz der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) am vergangenen Donnerstag.

Zu den Potentialen eines interprofessionellen Gesundheitssystems diskutierten Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, der Kassenärztliche Bundesvereinigung, des GKV-Spitzenverbands, des Deutschen Pflegerats sowie des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Papenburg. Vertreterinnen und Vertreter aller Gesundheitsberufe arbeiten dort bereits jetzt eng zusammen.

Die Basis für gegenseitiges Verständnis aller Gesundheitsberufe müsse bereits während der Ausbildung gelegt werden, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Dort, wo es sinnvoll erscheine, müsse auch über gemeinsame Ausbildungsabschnitte nachgedacht werden. Die Vergütungssysteme müssten sich in Richtung einer gemeinsamen anteiligen Behandlung und deren Vergütung entwickeln. „Konferenzen wie die heutige sind ein wichtiger und wertvoller Bestandteil bei der Definition und Umsetzung unseres gemeinsamen Ziels, Versorgung von Patienten nachhaltig sicherzustellen“, hieß es hieß es im Resümee der Veranstaltung.

Quelle: GVG Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung

24 Türchen zur Rückengesundheit und Achtsamkeit. Für unsere pflegenden Mitarbeiter*innen des Modellvorhabens POLKA- in besonderen Zeiten. Wir möchten uns bei Ihnen allen herzlich bedanken.

Auf der ersten virtuellen Mitgliederversammlung seit Bestehen der BVPG haben die Teilnehmenden die Präsidentin Ute Bertram im Amt bestätigt und zehn weitere Vorstandsmitglieder in ihre Ämter gewählt.

Die Mitgliederversammlung der BVPG findet jährlich, die Wahl zum Vorstand der BVPG alle drei Jahre statt. Bereits für den 2. April angekündigt, wurde die diesjährige Mitgliederversammlung nun am 4. November in virtueller Form von der Geschäftsstelle in Bonn organisiert und durchgeführt. Nach einer Videobotschaft der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag MdB, standen in diesem Jahr die Wahlen für das neue Vorstandsteam auf dem Programm.

BVPG-Vorstandsteam 2020-2023

Ute Bertram wurde im Amt der Präsidentin bestätigt. Die Politikerin verlängert ihre Amtszeit um weitere drei Jahre. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Vorstand und der Geschäftsstelle in Bonn. »Gemeinsam Gesundheit fördern« bleibt unser Motto – so setzen wir uns in den kommenden drei Jahren weiterhin für Strukturverbesserungen in der Prävention und Gesundheitsförderung ein. Gerade in Zeiten der Pandemie ist dies wichtiger denn je“, betont Ute Bertram. Ihrer Vorgängerin, Helga Kühn-Mengel (langjähriges Mitglied im Bundestag und ehemalige Patientenbeauftragte der Bundesregierung), die 15 Jahre die Präsidentschaft der BVPG innehatte, wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die weiteren Vorstandspositionen teilen sich wie folgt auf: Vize-Präsident Oliver Blatt, Leiter der Abteilung Gesundheit beim Verband der Ersatzkassen und Vize-Präsidentin Britta Susen, Leiterin des Dezernats Versorgungs- und Bevölkerungsmedizin bei der Bundesärztekammer e.V., wurden in ihren Ämtern bestätigt. Schatzmeister der BVPG ist erneut Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin in Niedersachsen.

Als Beisitzerinnen und Beisitzer wurden sieben Vorstandsmitglieder gewählt. Neu im Team sind: Dr. Mischa Kläber, Ressortleiter Präventionspolitik & Gesundheitsmanagement; Deutscher Olympischer Sportbund e.V.; Christine Kreider, Referentin für Prävention, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. und Dr. Andrea Lambeck, Geschäftsführerin BerufsVerband Oecotrophologie e.V. Wiedergewählt wurden: Prof. Dr. Gudrun Faller, Professorin für Kommunikation und Intervention im Kontext Gesundheit und Arbeit an der Hochschule für Gesundheit Bochum; Sieglinde Ludwig, Leiterin der Unterabteilung Gesundheit, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V.; Dr. Ute Teichert, Leiterin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen und Dr. Gabriele Windus, Leiterin des Referats Gesundheitsförderung, Humangenetik, Arzneimittel, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Eine ausführliche Präsentation der Vorstandsmitglieder unter: www.bvpraevention.de

Bildunterschrift:  Der neue Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. 2020-2023. V.l.n.r. / von oben nach unten: Ute Bertram (Präsidentin) Oliver Blatt (Vizepräsident), Britta Susen (Vizepräsidentin), Thomas Altgeld (Schatzmeister), Prof. Dr. Gudrun Faller, Dr. Mischa Kläber, Christine Kreider, Dr. Andrea Lambeck, Sieglinde Ludwig, Dr. Ute Teichert, Dr. Gabriele Windus

Die Leistungsverpflichtung der Krankenversicherung und Pflegekassen bleibt bestehen. Allerdings können die Ausgaben der GKV von den gesetzlichen Vorgaben in 2020 ausnahmsweise abweichen. Der DVGS hatte zu diesem Punkt auch eine Stellungnahme im Bundestag eingereicht zur weiteren Notwendigkeit von Präventionsleistungen in dieser epidemischen Lage von nationaler Tragweite.

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Verschiebung des Stichtags für die Bestandsschutzregelung zugunsten von anerkannten Kursanbietenden in der verhaltensbezogenen Prävention

Der Stichtag für die Gewährung des Bestandsschutzes für anerkannte Kursleiterinnen und Kursleitern wird vom 30.09.2020 auf den 31.12.2020 verschoben.